Urprinzip Horizontales Becken

Jul 16, 2014 | LebensRaum

Wir leben im Zeitgeist der integrativen Medizin, die sich ganzheitlich nennt, im wesentlichen aber ein fast rein biochemisches Modell vertritt. Symptome gelten als Anzeichen eines inneren Mangels oder eines äußeren Angriffs und werden mit pharmazeutisch-synthetisierten Präparaten beseitigt. Wir haben kein Vertrauen in die der Lebenskraft innewohnende Intelligenz, sondern sehen sie als unzulänglich oder sogar als willkürlich und feindlich an. Kontrolle und Verbesserung des Lebendigen durch rationale Konzepte und Techniken sind unsere beste Antwort auf Symptome in einer Welt, die nach wie vor das Gedankengut von Descartes und Newton als Bezugspunkt hat.

Die neuere Naturwissenschaft hat sich aber vom mechanistisch materiellen weiterentwickelt und erforscht die subatomaren Qualitäten von Quantenfeldern, Photonenphänomene und holographische Interferenzen.

Beschäftigt man sich mit unserem menschlichen Körper aus der aktuellen Sicht der neuen Biologie, dann entsteht ein dynamisches Bild. Die Lebenskraft an sich ist ein bewegendes Urprinzip und verdichtet sich in Form von Photonen entlang einer Achse, um sich danach im Raum zu falten. In der Embryonalentwicklung können wir das gut nachvollziehen. Die Primärachse wird zum Notocord und dann zum Neuralrohr und differenziert sich von da aus in die verschiedenen Gewebe. Das Licht wird zum energetisch-elektrischen Feld und reist in der Cerebrospinalflüssigkeit als Flüssigkeitsimpuls durch alle Gewebe. Bewegung ist bekanntlich ein Hauptkriterium der biologischen Definition von Leben. Wir sehen in diesem Modell, dass die Struktur von Geweben die Übertragung des Lebensimpulses und -rhythmus entscheidend bestimmt. Verhärtungen, Verdichtungen, Verzerrungen haben entsprechende Folgen in der Organisation und damit der Funktion der entsprechenden Gewebe. Das chemische Milieu des Köpers ist dabei eine eher sekundäre Erscheinung, die den Zustand der organisatorischen Durchdringung des Phänomens Körper mit Lebenskraft spiegelt. Wenn der Körper erstarrt, dann entstehen Zonen des Stillstandes, in denen die organisatorische Kraft nicht wirken kann. Die Gewebeversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen wird unterbunden und Säureansammlungen irritieren die Sensoren, welche Schmerzsignale aussenden. Wenn ich diese Signale durch chemische Einflüsse unterbinde, bleibt mein Eingriff auf der Ebene des Effektes und geht nicht zur ursächlichen Ätiologie. Das Leben kann sich selbst und damit unseren Körper heilen, wenn wir ihm den Weg bereiten und wieder Kontakt zu den Urrhythmen, den Urmustern herstellen.

Wir benutzen in der Strukurellen Integration eine Methode, die sich auf die physische Gesamtstruktur des Körpers und deren Gleichgewicht bezieht. Während der herkömmliche therapeutische Ansatz vor allem die Inhalte (Organsysteme, Gewebe) analysiert und beeinflusst, beschäftigt sich Struktur mit den Beziehungen, die zwischen den Inhalten bestehen.

Unser biologischer Körper ist uns wohlgesonnen und von sich her darauf aus eine optimale Funktion zu erhalten. Er unterliegt wie alles auf diesem Planeten der Schwerkraft. Oft kommt es auf Grund verschiedenster Lebensereignisse zu Blockaden und Verletzungen im Muskel- und Bindegwebe, was mit Narbenbildung, Blockaden, Verschiebungen und kompensatorischen Verformungen einhergeht. Schiefhaltungen und Rotationen stellen sich ein und machen einem das Leben schwer, weil man ja jetzt im täglichen Lebensalltag ‘schief liegt’.

Dr. Ida Rolf sah das ‘horizontale Becken’ im Schwerkraftfeld als entscheidende Grundlage der Gesundheit an. Struktur und Funktion stehen dabei in einem reziproken Zusammenhang. Die vegetativen Nerven sind zum Beispiel im Bindegewebe eingebettet. Verhärten sich die Faszien, dann kommt es zu einem reduzierten Austausch an Stoffwechselprodukten. Damit werden die Ganglien entsprechend unterversorgt und die Regulation der autonomen Prozesse leidet. Die Körper-Form oder Struktur ist also von grundlegender Bedeutung für unser Wohlbefinden. Sie unterliegt in Hinsicht auf die Schwerkraft den gleichen Prinzipien wie sie in der Architektur gelten. Horizontale und vertikale Linien beschreiben Stabilität und Stärke, Diagonale Linien, Rotationen weisen auf Schwachstellen hin, die sich dann früher oder später als chronische mehr oder weniger schmerzhafte Bedingungen manifestieren. Das Becken ist das Schwerkraftzentrum des Körpers und seine Horizontalität lässt die Kraft in unserer physischen Mitte ruhen. Unser Leben spielt sich im Lebens-Raum ab, dem grösseren Umfeld, mit welchem wir trotz unserer scheinbaren individuellen Einmaligkeit aufs Tiefste schicksalshaft verwoben sind.

Welch’ besseres Werkzeug mit der Lebenskraft umzugehen als unsere Hände. Wir werden damit zu Handlangern und das in einem Zeitalter, in dem der Ersatz des manuellen Kontaktes durch technische Mittel den Grad des Fortschrittes bestimmt. Dabei ist die Hand durch die Herz- und Herzbeschützermeridiane direkt an unsere geistige Mitte angebunden. Die Hand gibt uns die Möglichkeit die Welt mit unserer schöpferischen Absicht zu berühren und zu gestalten. ‘Handwerk hat goldenen Boden’ – wie es im Volksmund einmal so schön geheissen hat. Haben wir den Mut uns an diese Tradition zurückzubesinnen und mit der Lebenskraft in ihrer eigenen Sprache in Kontakt zu treten?

Herzlich willkommen im Lande der sinn-vollen Einfachheit und ganzheitlich wahrgenommenen Gesundheit. Der Eintrittspreis ist der Mut des Therapeuten ‘Handwerker’ zu sein, der Gewinn liegt darin viele alltägliche körperliche Symptome ursächlich anzusprechen und die Heilkraft der Natur, die wir sind, zu erfahren.